Glory Amsterdam: Das Havariekommando im Einsatz

Interview mit Hans-Werner Monsees, Leiter des Havariekommandos Cuxhaven

Copyright: Havariekommando CuxhavenHerr Monsees, wie verlief die Bergung der Glory Amsterdam und was unterschied sie von anderen Bergungen? Spielten weitere Stürme während der Bergung eine Rolle?

Die Voraussetzungen für eine Bergung sind von Einsatz zu Einsatz unterschiedlich. Zu diesen Voraussetzungen zählen u. a. die Wetter- und Seegangsbedingungen, das Seegebiet, die Besatzungsstärke und -qualifikation auf dem Havaristen, der Schiffstyp, die Ladung und vieles mehr. Nachdem die Glory Amsterdam im Bereich der Fünf-Meter-Tiefenlinie festkam, erarbeiteten die Spezialisten des Havariekommandos und des Bergungsunternehmens einen Plan zum Freischleppen des Havaristen. In diesem Plan wurden Wetterbedingungen, die Lage des Havaristen an der Sandbank, der Zustand der Schweröltanks und weitere Faktoren in einer Risikoanalyse bewertet. Daraus wurde der Bergungsplan entwickelt und vom Havariekommando freigegeben. Er konnte wie geplant umgesetzt werden. Eine weitere Sturmwetterlage ist während der Bergung nicht aufgetreten.

Naturschützer fordern im Zusammenhang mit der Havarie einen Ausbau der Notschlepperkapazitäten. Wie viele Schlepper gibt es zurzeit?

Im deutschen Notschleppkonzept sind drei Schlepper für die Nordsee und fünf Schlepper für die Ostsee vorgesehen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit dieser Ausstattung deutlich an der Spitze. Aber die alleinige Anzahl der Notschlepper ist kein Garant für eine hundertprozentige Sicherheit. Das Havariekommando wird auch den Fall Glory Amsterdam intensiv nachbereiten.

Verzeichnen Sie generell einen ansteigenden Trend solcher Sturm- und wetterbedingten Havarien? Wie oft üben Sie die Bergung in solchen Situationen?

Das Havariekommando hat bisher 71 Einsätze erfolgreich bewältigt und die Wetterbedingungen waren immer unterschiedlich. Ein kleiner Teil dieser Havarien ereignete sich bei Sturmwetterlagen. Das heißt, dass die Gefahr eines Unfalls nicht zwangsläufig an die Wetterbedingungen geknüpft ist.

Notschleppübungen bei Wetterbedingungen von acht bis neun Windstärken und Wellenhöhen von sieben Metern wären sehr risikoreich. Die Gefahren für die Einsatzkräfte, Besatzungen und den Schiffsverkehr sind zu hoch. Im Übrigen stellen Reedereien und Versicherer ihre Schiffe für derart risikoreiche Übungen nicht zur Verfügung. Ziel der Notschleppübungen, die unter normalen Wetterbedingungen stattfinden, ist das Erlangen von seemännischer und nautischer Routine. Die erforderlichen Handgriffe werden so weit verinnerlicht, dass sie im Einsatzfall schnell abrufbar sind. Schlechtwetterbedingungen trainieren wir im Schiffsführungssimulator. Dort können die Schiffsmanöver unter realitätsnahen Bedingungen gefahrlos geübt werden.

Einen Ölunfall gab es an der Deutschen Bucht glücklicherweise schon länger nicht. Wie sind Sie auf solche Unfälle vorbereitet und welche Rolle spielt hier auch die Doppelhülle?

Das Havariekommando kann im Falle einer Ölhavarie auf geschulte Einsatzkräfte entlang der gesamten Nord- und Ostseeküste zugreifen. Es gibt in ganz Norddeutschland Depots, in denen Ölbekämpfungsmaterial vorgehalten wird. Darüber hinaus stehen selbstverständlich eine Reihe von Ölbekämpfungsschiffen mit unterschiedlichsten technischen Bekämpfungssystemen zur Verfügung. Die Einsatzkräfte üben mehrmals im Jahr den Ölbekämpfungseinsatz.

Seit 2015 dürfen nur noch Doppelhüllentanker betrieben werden. Seit dem Jahr 2006 ist die Doppelhüllenkonstruktion auch für den Bau von Massengutschiffen vorgeschrieben. Dies geschah mit Blick auf die Havarien der Exxon Valdez (1989) und Erika (1999) aus gutem Grund. Die USA haben nach der Havarie der Exxon Valdez bereits 1990 im Oil Pollution Act Doppelhüllentanker vorgeschrieben. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation führte diesen Standard im Jahr 1992 weltweit ein. Seither müssen die Reedereien diese Vorgaben bei Schiffsneubauten einhalten, da die Gefahr eines Ölaustrittes aus den Doppelhüllenschiffen im Gegensatz zu ihren Vorgängermodellen geringer ist.

 

 

 

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