Vereinigtes Königreich

  • Cuxhaven bereitet sich auf Brexit vor

    Cuxhaven bereitet sich auf Brexit vor

    Cuxhavener Unternehmen und ihre Kunden diskutieren zu Lösungsansätzen mit Vertretern aus Politik und Verwaltung

    (v.l.n.r.) Kai-Uwe Bielefeld, Landrat des Landkreises Cuxhaven, Dr. Ulrich Getsch, Oberbürgermeister von Cuxhaven, Sir  Sebastian Wood, britischer Botschafter in Deutschland, Rachel King, Botschaftsrätin Wirtschaft in der Britischen Botschaft, Hans-Peter Zint, Vorstandsvorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven, und David McAllister, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament und ehemaliger niedersächsischer Ministerpräsident.  Bildquelle: Thomas Sassen/Cuxhavener Nachrichten.Berlin/Cuxhaven, 16. Oktober 2018 – Als wichtiger Hafen für Englandverkehre und internationale Fischwirtschaft wird der Standort Cuxhaven stark vom Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union betroffen. Aus diesem Grund hatte die Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven am Montag, den 15. Oktober 2018 zu einem Parlamentarischen Abend in Berlin eingeladen. Das Ziel: Gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft die Vorbereitungen für die am 29. März eintretenden Veränderungen zu intensivieren.

    Knapp ein halbes Jahr vor dem offiziellen Termin stehen laut britischer Regierung etwa 90 Prozent des Austrittsabkommens aus der Europäischen Union fest. Für die deutsche Wirtschaft ist Großbritannien der fünftwichtigste Handelspartner, daher würden Im- und Exporte durch die Einführung der Zollabfertigung erheblich beeinträchtigt. Am Hafenstandort Cuxhaven, von dem aus wöchentlich mehr als sechs Abfahrten zu englischen Häfen starten, würden rund 70 bis 80 Prozent der Verkehre durch diese Änderungen betroffen.

    Wie viele Unternehmen und Organisationen hat sich auch die Cuxhavener Wirtschaft bereits langfristig mit den möglichen Auswirkungen des Brexits auseinandergesetzt. Unter anderem wurden die für die Zollabfertigung benötigten Prozesse in Absprache mit Reedereien, Terminalbetreibern, Speditionen, Verladern und dem Zoll erarbeitet. Die Mitarbeiter der Unternehmen werden durch Schulungen und spezielle Qualifikationen auf neue Anforderungen vorbereitet. Auch neue IT-Systeme für das Terminalmanagement und die elektronischen Schnittstellen zu den Zollsystemen werden eingeführt.

    Herausforderungen für ansässige Unternehmen

    Auf dem CuxDay bestätigte der HWG-Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Zint, dass sich wie viele deutsche Unternehmen auch die Hafenwirtschaft am Standort Cuxhaven auf einen „chaotischen Brexit“ einstellt. „Wir gehen aktuell vom ‚Worst Case Scenario‘ aus und bereiten unsere Prozesse und Verkehre auf einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt ohne Abkommen vor. Trotzdem wollen wir alles dafür tun, dass dieser Fall nicht eintritt. Das Vereinigte Königreich ist und bleibt für Cuxhaven ein wichtiger Handelspartner. Unser Ziel, bei Politik und der Verwaltung Verständnis für die spezielle Situation Cuxhavens zu schaffen um gemeinsame Lösungswege zu entwickeln, haben wir heute erreicht. Cuxhaven wird am 29. März 2019 Brexit-ready und damit weiterhin ein zuverlässiger Partner für schnelle Versorgungsketten von und nach England sein.“

    Auch Kell Robdrup, Senior Vice President der Reederei DFDS A/S, sprach in seinem Vortrag vor rund 100 Gästen über die Vorbereitungen der Reederei: „Um auf die Herausforderungen, die der Brexit für DFDS und unsere Kunden darstellen wird, vorbereitet zu sein, strebt DFDS an, ab dem 29. März 2019 einen reibungslosen Übergang zu neuen Zoll- und Regierungsanforderungen für Handel und Einwanderung zu gewährleisten. Dazu gehören neue Geschäftsangebote wie die Zollabfertigung selbst, die Lagerung von Waren und die Bereitstellung von Lagerhallen für Industriekunden, um Lagerbestände aufzubauen und so die reibungslose Belieferung ihrer Kunden zu gewährleisten. DFDS ist im Begriff, das hierfür benötigte Know-how aufzubauen und den dafür benötigten Platz an unseren Terminals zu finden.“

    Auf Seite der Kunden sprach Stephan Freismuth, Customs Manager der BMW Group, die Dringlichkeit der benötigten Prozesse an: „Für die BMW Group ist das Vereinigte Königreich nicht nur unser viertgrößter Absatzmarkt, sondern die dort von uns produzierten Fahrzeuge und Fahrzeugteile werden im Gegenzug auch überwiegend auf den Kontinent exportiert. Entsprechend ist aus unserer Sicht die zeitgerechte Anpassung der Zoll- und Logistikprozesse zur Aufrechterhaltung der Business Continuity zwischen UK und EU unabdingbar.“

    EU-Gipfel soll Klarheit bringen

    Zu den Vortragenden gehörten neben Wirtschaftsvertretern auch Vertreter der Ministerien. Dr. Rolf Bösinger, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, gab einen Einblick in die Vorbereitungen der Bundesregierung: „Die Zollverwaltung wird post-Brexit keine neue Aufgabe übernehmen, aber der Umfang vertrauter Aufgaben wird zunehmen. Aus diesem Grund wird die sachgerechte Aufgabenwahrnehmung vor allem an den bedeutenden internationalen See- und Flughäfen, wie auch Cuxhaven, insbesondere im Bereich der Abfertigung, bedarfsgerecht ausgedehnt. Im Haushaltsentwurf 2019 sind dafür eine erhebliche Anzahl zusätzlicher Stellen für den Zoll vorgesehen.“ Er rief zudem alle betroffenen Unternehmen dazu auf, die bestehenden Informationsangebote wie www.zoll.de zu nutzen und die erforderlichen Vorbereitungsmaßnahmen zu prüfen.

    Der britische Botschafter Sir Sebastian Wood begrüßte zu der Veranstaltung mit den Worten: „Vor uns liegt eine entscheidende Woche – bis zum Europäischen Rat sind es nur noch wenige Tage. Jetzt ist die Zeit für Kompromisse – alle Seiten müssen nun den notwendigen politischen Willen finden, um eine neue Beziehung zu gestalten, die unseren einmalig engen Verbindungen und unseren gemeinsamen europäischen Werten Rechnung trägt. Großbritannien und Europa sind durch eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte verbunden, die weit über die Existenz der EU hinausgeht. In globalen Angelegenheiten vertreten wir die gleichen Werte und Interessen. Unsere Sicherheit ist untrennbar miteinander verbunden, ebenso wie unser Wohlstand. An dem Tag, an dem Großbritannien die EU verlässt, wird es ein bedeutender Handelspartner der EU werden, vergleichbar mit den USA und China.“

    David McAllister, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament und ehemaliger niedersächsischer Ministerpräsident, hob die Bedeutung des Abkommens für den Hafenstandort hervor: „Cuxhaven wird als Hafen- und Fischereistandort besonders vom Brexit betroffen sein. Es muss alles dafür getan werden, damit die Zugangsrechte und Fangquoten der deutschen Fischwirtschaft erhalten bleiben. Nur wenn jetzt eine Einigung gelingt, wird es eine 21-monatige Übergangsfrist geben, in der sich beide Seiten auf ein zukünftiges Handelsabkommen und die fischereipolitische Zusammenarbeit einigen können. Das Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel diese Woche wird entscheidend sein. Es muss deutliche Fortschritte geben. Die Zeit drängt!“

    Am 17. und 18. Oktober werden in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten zusammenkommen, um sich mit dem aktuellen Stand der Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich sowie mit der Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu befassen.

     

    Über die HWG
    Die Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven e.V. ist ein Zusammenschluss Cuxhavener Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen mit dem Ziel, den Hafenstandort an der Mündung der Elbe zu vermarkten und weiterentwickeln. Zudem setzt sich die HWG für die Positionierung Cuxhavens als bedeutenden Hafenstandort für die Offshore-Windenergie in Deutschland ein. Aktuelle Neuigkeiten der HWG gibt es auf der Homepage, bei LinkedIn und Twitter.

     

    Pressekontakt Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven e.V.
    Gwendolyn Dünner
    Medienbüro am Reichstag GmbH
    Im Haus der Bundespressekonferenz
    Reinhardtstr. 55
    10117 Berlin
    Tel. +49 (30) 20 61 41 30 41
    Fax +49 (30)-30 87 29 95
    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!